Samstag, 21. März 2009

Heldenverehrung im Rollenspiel?

In einem Thread im Blutschwerter-Forum geht es um Heldenverehrung im Rollenspiel. Dort ist der Großteil der User anscheinend der Meinung, dass das Unsinn ist.
Als Einleitung meiner Antwort möchte ich euch von der Seifenkiste dieses Zitat von Melan entgegenschmettern, der nach Gary Gygax' Tod etwas schrieb, was mittlerweile die Startseite des Knights and Knaves Alehouse schmückt:

"How many people could say that they impacted the lives of millions without bloodshed, political power or a global marketing machine - just a small game of gelatinous cubes, strange dice and 10' corridors? Gary did it just like this, and he did it out of his humble game room in Wisconsin."

Ich möchte mich hier zu den angesprochenen Millionen zählen. Dieses kleine Spiel hat mir in meiner späten Kindheit und Jugend wirklich viel bedeutet und auch heute habe ich noch viel Spaß daran. Wenn ich für mein Leben einen Helden nennen müsste - jetzt mal von Eltern oder persönlichen Bekannten abgesehen - dann würde ich wahrscheinlich wirklich "Gary Gygax" nennen.
Nicht nur, dass er (gemeinsam mit Arneson und der ersten Generation von Rollenspielern) ein völlig neues Spielkonzept entwickelt hat - Gary hat auch bis zuletzt regelmäßig ein offenes Ohr für die Spieler seiner Spiele gehabt. Er war in unterschiedlichen Internet-Foren unterwegs oder hat regelmäßig sein Haus geöffnet und jeder, der wollte, wurde von ihm bewirtschaftet und konnte an seinem Tisch spielen. Selbst mir als eigentlich völlig anonymem Internetuser hat er Freigetränke versprochen, als ich gejammert habe, dass der Weg zu den ganzen US-Conventions zu weit war.

Sehr beeindruckend finde ich auch seine klassische Antwort, wenn er um Regelauslegungen gebeten wurde. Er gab zwar immer auch eine fachlich fundierte Antwort, aber seine "eigentliche" Antwort war: "Völlig egal, was ich sage - das, was dein Spielleiter sagt, ist wichtig!"


Kommentare:

Nelly hat gesagt…

Ich hab mir mal das Topic durchgelesen. Meine Guete, da hat jemand das doppelte fuer ein Buch bezahlt und das nennt man dan "absolut fanatisch"?
Wenn 100 000 Dollar gezahlt werden dann kann man vielleicht anfangen das fanatisch zu nennen ansonsten ist das in jeder anderen Branche das gleiche. Egal bei welchem Hobby man anfaengt es wird immer Idole geben denen die Leute nachstreben. Es wird immer irgendwo Helden geben die etwas ganz tolles angefangen haben das jeder nachmachen wird. Ich finde die ganze Diskussion darum viel zu ueberzogen. Lasst den Leuten ihre Helden. Kann denen doch Scheiss egal sein wer wen verehrt.

Taysal hat gesagt…

Heldenverehrung und Kult sind zwei zu starke Begriffe und ich denke auch falsch eingesetzt.

Rollenspiele gehen stark in den Bereich der Schriftstellerei und somit nehmen die meisten Rollenspielautoren auch eine entsprechende Position ein, sind Künstler auf ihrem Gebiet und ihre Werke Kunst.

Der Eine würde halt gerne Goethe die Hand schütteln und dessen Erstlingswerk im Schrank stehen haben, der Andere hätte gerne mal Gygax die Hand geschüttelt.

Es macht keinen Unterschied ob ich die Mona Lisa bewundere und was sie für die Malerei bedeutet oder ob ich die Regelbücher bewundere und was sie fürs Rollenspiel bedeuten. Beides hat die jeweilige Szene und noch darüber hinaus geprägt und somit hat auch Gygax eine besondere Position inne.

Niemand spricht über den kleinen Postkartenmaler oder Auftragsautoren der sein Programm abspult - die bleiben unscheinbar, sind aber auch Künstler.

Der Eine sammelt Teetassen, der Andere Gemälde und der nächste Rollenspiele - die Hauptsache ist, dass es gefällt. :)

greifenklaue hat gesagt…

Der Thread entwickelt sich ja erst, aber ein bißerl Personenkult darf und muss sein. Für drei Exemplare der LLs musst Du übrigens auch unterschreiben, besondere Anforderung des Bestellers (Stichwort: Hamburger Netzwerk).

Moritz hat gesagt…

Ich war ganz überrascht, dass einige der Vorbesteller sich auch eine kleine Widmng gewünscht haben. Ich muss wirklich noch ein paar Sonnenbrillen für die RPC kaufen, um den "Starfaktor" hoch genug halten zu können.