Donnerstag, 4. September 2008

Was wissen die Charaktere von der Welt?


Klarer Fall! Zuerst einmal NICHTS! In meinen Kampagnen wird daher auch nie ein Spieler in einem Hintergrundband zur Welt, in der wir gerade spielen, lesen. (Wenn das denn überhaupt möglich ist, und wir nicht ohnehin in einem selbstgebastelten Setting spielen.)

Die Charaktere agieren in einer Welt, die ihnen zuerst einmal fremd und unbekannt ist. Sie beginnen in meinen Kampagnen das Spiel für gewöhnlich in einem Dörfchen. Dieses Dörfchen mit allen Einwohnern kennen sie dann innerhalb kürzester Zeit und beginnen sich dort zuhause zu fühlen.

Nun gibt es vermutlich innerhalb des Dorfes schon ein paar Problemchen zu lösen, um sich erste Sporen zu verdienen. Bis zu diesem Zeitpunkt ist den Spielern, wie auch den Charakteren, lediglich das Dörfchen selber bekannt.

Als nächsten Schritt bereite ich drei oder vier kleinere Abenteuer vor, welche die Abenteurer jetzt in Angriff nehmen könnten, wobei ihnen A) absolut freisteht, wohin sie sich richten wollen und sie B) jetzt die nähere Umgebung des Dörfchens kennen lernen.

Abgesehen von den von mir vorbereiteten Abenteuern habe ich jetzt als Spielleiter schon weitere Ideen, was in der näheren Umgebung an Gefahren oder potentiellen Verbündeten existiert. Die Gruppe kann auch, wenn sie absolut nicht auf die Abenteuer-Angeln, die ich ausgelegt habe, eingeht , in eine völlig andere Richtung marschieren.

An dieser Stelle könnte es dann passieren, dass sie auf das schon öfters erwähnte Kobolddorf treffen könnten, welches eigentlich gar nicht "für sie gedacht ist", in diesem Fall (der allerdings selten eintritt) müssen sowohl Spieler, als auch Spielleiter schnell danken und handeln, um die Situation zu lösen (oder auch nicht).

Mitterweile haben die Abenteurer vielleicht genügend Geld, um sich Pferde zu kaufen, sodass sieauch die weitere Umgebung erforschen können. Ihr seht, die Welt wächst um die Gruppe herum, wobei der Spielleiter natürlich immer einen Schritt voraus sein muss.

Später können die Charaktere dann fliegen oder teleportieren, die Welt (wie auch die Aufgaben) wächst jetzt immer schneller.

Kommentare:

Harald Wagener hat gesagt…

Wunderbare Beschreibung, wie man die klassische "vom Bauernsohn zum Prinzen mit Zauberschwer-Kampagne" beginnt (siehe: Star Wars).

Aber das schränkt natürlich die Möglichkeiten der Geschichten ein, die erzählt werden können. Und zumindest ich will auch mal etwas anderes erleben können.

Gut finde ich Hintergrundbände, in denen alle Informationen öffentlich sind. Das funktioniert, wenn man sich nicht auf die Zuverlässigkeit der Quellen verlassen kann, aber der Spielleiter hat mehr Arbeit bei der Bestückung der Welt mit seiner Vision.

Man kann auch die Spieler die Welt (mit)gestalten lassen, zum Beispiel, in dem man John Wicks Dirty Dungeon (http://www.youtube.com/watch?v=dsnvANYBRWo) auf die Spielwelterschaffung ausdehnt.

MSch hat gesagt…

Ja aber ist das nicht Quatsch?

Selbst ein Bauerssohn ist vernetzt. Der ist mit vielen Leuten in seinem Dorf aufgewachsen, hat fahrende Händler gesehen, kennt die Geschichten aus dem Gottesdienst und all die Geschichten/Berichte, die die Leute sich bei der Arbeit oder in dunklen, kalten Winternächten erzählt haben, hat auch mal die Schergen des Fürsten beim Steuereintreiben etc gesehen.

Der Bauerssohn hat sehr bestimmtes Verständnis von der Welt (wenn es auch nicht stimmen mag).

Mir erstmal das Wissen des Bauernsohns zu erarbeiten, das er in ca. 16 Jahren seines Lebens angeeignet hat, ist extrem langweilig und (zumindest für mich) auch nicht sonderlich stimulierend. Tausendmal nachfragen "kenn ich dies, weis ich das, gibt es den" ist doch spaß- und spieltötend.

Und mal davon abgesehen, ist doch die vom Bauernsohn-zum-Gottkaiser-Masche nach zweimal spielen ziemlich abgeschmackt, oder?

Ciao,

Martin

Dr. Döner hat gesagt…

Eigentlich weiß doch tatsächlich jeder Charakter etwas von der Welt. Man kann normalerweise Informationen einordnen nach:

1. Ist Unbekannt oder Spezialwissen (Was für ein Monster ist das? Was für ein Zauberspruch war das? Wie komme ich ins Unterreich)
2. Ist weniger bekannt (Wie war die Geschichte der Welt? Welche Avatare haben auf der Welt gelebt?)
3. Ist jedem bekannt (Wer ist der König? Wo lebe ich? Welche großen Länder gibt es in der Welt? Was sind Kobolde?)

Mir macht es keinen Spaß, wenn mein Charakter von der Welt nichts weiß, wenigstens die Sachen, die jedem bekannt sind, sollte auch mein Charakter kennen.

Vor kurzem haben meine Gruppe gemeinsam eine neue Welt per Dawn of the Worlds erstellt. Dadurch wissen die Spieler sehr viel von der Welt und es ist wirklich toll, mit den Spielern über die kommenden politischen Ereignissen der Welt reden zu können.

Ansonsten mach weiter so :-) ich finde die Thematik deines Blogs sehr schön und werde sicherlich regelmäßig wiederkommen

Moritz hat gesagt…

Danke an alle Kommentargeber! Ich kann von der Seifenkiste herunter natürlich nur kurze und vereinfachte Positionen runterschmettern kann, da niemand eine hunderte von Zeilen lange Ansprache zu Ende lesen wird.

Ich würde keiner der drei genannten Sichtweisen widersprechen und sie spielen natürlich in meinen Überlegungen immer eine Rolle. Die Antwort auf meine Anfangsfrage: "NICHTS" ist natürlich absolut plakativ. Logischerweise ist nach den ersten zwei Spielründchen das Dorf wie auch die nähere Umgebung grob bekannt, in der Kneipe oder vom Opa können sich die Abenteurer Informationen zur Weltpolitik besorgen - logo! Aber nach diesen Informationen müssen sie sich schon erkundigen, ich kaue keinem etwas vor.


Zu: "Das ist doch nach dem zweiten Mal ausgelutscht!" möchte ich hier nur darauf hinweisen, dass meine derzeitige Spielrunde (die unter ähnlichen Prämissen startete) seit mehr als einem halben Jahr läuft und die Charaktere gerade die Stufen 5 bis 6 erreicht haben, sowohl an Story als auch an Machtzuwachs ist da noch jede Menge Spielraum nach oben.

MSch hat gesagt…

Sorry, wenn das missverständlich war. Ich meinte wenn jede Kampagne so anfängt, dann ist es eher unspannend. Nicht ab der zweiten Session einer Kampagne.

Ciao,

Martin

Moritz hat gesagt…

Das habe ich schon verstanden! Ich wollte nur sagen, dass eine dermaßen begonnene Kampagne schon ein Abenteurerleben lang dauern kann.