Freitag, 1. August 2014

Einsteigersysteme - total überflüssig?

Nach dem Ansehen von Klaudienes Sabbelstream muss ich mal wieder meine Gedanken ordnen - mal sehen, ob ich zu irgendeinem Ergebnis komme. 

Zuerst muss ich ihr vehement widersprechen. Warum? Weil ich es kann!

 
Sie sagt, grob wiedergegeben, dass Einsteigersysteme unnötig sind, weil jemand, der sich dafür interessiert auch durchblicken wird, Leute ohne das nötige Interesse oder Engagement sowieso auch nach 10 Wochen noch nicht wissen, welche Würfel man wofür braucht.

Dabei übersieht sie natürlich die allererste Hürde, den allerersten Kontakt mit dem Konzept Rollenspiel an sich. Und da müssen unbedingt zwei Komponenten gegeben sein:

1. Es muss total scharf aussehen und mir (entweder im Regal des Buchladens oder in der Auslage des Spielwarenladens/Kaufhauses - im Idealfall im Regal eines Computerspiele-Ladens) auffallen. Es muss entweder total modern und cool aussehen, um anzusprechen oder so ungewohnt, dass es ins Auge sticht und neugierig macht.
Irgendwie kommen wir hier zu Punkt 1b) Vertriebswege - um dem Mainstream noch mehr in die AUgen zu fallen, muss man unbedingt mehr aus den Bahnhofsvideotheken, ääähhh Rollenspielläden raus (auch wenn die unbedingt weiter unterstützt und gestärkt werden müssen) und dahin, wo junge Leute hingehen, um Kram zu kaufen, mit dem sie spielen wollen.

2. Es darf nicht auf den ersten Blick einschüchtern! Wenn ich mir vorstelle, Neuling mit Interesse an Fantasy-Spielen zu sein und ich habe ein Buch mit 500 Seiten und eine Skyrim-DVD vor mir liegen, dann weiß ich, wofür ich mich spontan und eine Sekunde nachzudenken, entscheide.
Habe ich da aber statt des Wälzers eine coole Box mit ein paar Würfeln, Gimmicks, Figuren und vielleicht ein oder zwei dünne Heftchen mit einem einfach verständlichen Tutorial, das mich sowohl fesselt, als auch mir die Regeln näherbringt, dann wird diese Entscheidung nicht ganz so leicht fallen.


Ja, DSA Klassik und Splittermond Junior (Geil! "Splimoju"!) - ich blicke in eure Richtung!


Neben den Dingen, die das eigentliche Regelwerk angehen, kann man da ja noch in die unterschiedlichsten Richtungen weiter überlegen. Welchen Promis drücke ich das Spiel in die Hand, um sie damit werbewirksam zu knippsen, oder sie in Interviews schlaue Sachen darüber sagen zu lassen? Woc schalte ich welche Werbung, um welche potentielle Kundschaft (in meinen Überlegungen spiel- und fantasyaffine Jugendliche) abzuholen? Welche nerdigen Merchandise-Artikel bringe ich unters Volk, welche Giveaways sind nicht nur für eBay-Auktionen von Veteranen unteressant, sondern können junge Leute ins Boot holen...?

Verdammt - man müsste da echt mal ein komplettes Konzept erarbeiten - ich wette, dass da noch kein (deutscher, aber auch internationaler) Verlag richtig in die Tiefe gegangen ist und sich großflächig überlegt hat, wie man wirklich breiten Erfolg haben kann.

Kommentare:

Clawdeen hat gesagt…

Das stimmt, diese Hürde habe ich tatsächlich nicht im Blick, sondern bin davon ausgegangen, dass da schon irgendein Berührungspunkt existiert. knuddeltrauma hatte in den Kommentaren ja auch auf den FreiZEITaspekt hingewiesen und schrieb, dass man bei knapper Freizeit bevorzugt zu einem Schnellstarter zum Kennenlernen greifen würde, um auf Basis dieses Eindrucks zu entscheiden, ob man weiteres Geld und weitere Zeit zu investieren bereit ist. - Das habe ich so auch nicht berücksichtigt, halte ich aber auch für einen guten Einwand.

Der Absatz zu den Vertriebswegen bzw. zum Marketing sind ja mal klasse!

Zinnjunkies Welt hat gesagt…

Interessanter Kommentar, dem ich durchaus zustimmen kann. Allerdings hat Clawdeen auch einen wichtigen Aspekt genannt: "Wenn es mich interessiert, dann lese ich mich auch ein" (oder so ähnlich)
Als ich damals mit DSA begann, war mir der anscheinend Aufwand egal. Nun gut, wir hatten ja nichts anderes in unserem normalen Spielzeugladen, aber auch beim kurz darauf folgenden Shadowrun war die Fülle des Materials eher verlockend als einschüchternd. Manchmal befürchte ich, dass wir unsere Nachkommen, nicht nur im RSP, eher unter- als überfordern.
Natürlich hast du in dem Punkt Recht, dass man neue Wege gehen muss, um nicht buchaffine Menschen an ihren üblichen Orten abzuholen.

aikar hat gesagt…

Ja, die meisten von uns haben auch mit komplexeren Systemen zum Spiel gefunden und uns die Zeit genommen um uns einzulesen.

Aber wir sollten uns fragen:

Wie viele hätten dazu gefunden, wenn es nicht so kompliziert gewesen wäre? Hätten wir heute vielleicht mehr Rollenspieler, wenn es damals schon gute Einsteigersysteme gegeben hätte?

Hätten wir uns die Zeit genommen, wenn wir (das unterstell ich mal den meisten) bei der ersten Runde nicht Schüler sondern Arbeiter und/oder Eltern gewesen wären? Kann man mit einfachen schnellen Einsteigersystemen vielleicht auch diese Gruppe erreichen, die einfach nicht mehr die Zeit für 1000 Seiten Regeln haben?

Bei den meisten gab es damals noch keine oder kaum Konkurrenz durch Computerspiele. Hätten wir uns damals die Arbeit auch angetan, wenn die Bedingungen den heutigen entsprochen hätten?

Ich kann auch aus eigener Erfahrung sagen, dass zwar unter Anleitung eines Profis die Komplexität des Systems vergleichsweise egal ist (Weil ohnehin der Profi sagt was zu würfeln ist), aber komplette Rollenspielneulinge mit einfachen Systemen eher bereit sind, auch selbst was in Angriff zu nehmen (sprich: zu leiten)

Also Ja, ich glaube an leichtgewichtige Einsteigersysteme. (Ob jetzt jedes leichtgewichtige System nur als Einsteigersystem taugt ist ein anderes Thema. Ich mag auch als Profi leichte Systeme weit lieber).

greifenklaue hat gesagt…

Klares Jain. Es muss für Einsteiger geeignete Systeme geben, die aber ebren auch andere ansprechen. Oder gelungene Konzepte wie bei Star Wars, Pathfinder, Midgard 4 die Leute da hin zu führen. Und am wichtigsten ist immer noch der Rollenspieler, der mit Neuspielern spielt oder/und sie gar aktiv anwirbt. Dann ist das System auch - fast - egal.

Tarin hat gesagt…

Davon ab sind die Berührungspunkte mit RPG und Büchern quasi weg.

Als ich anfing - was nicht so lang her ist, so um 2000 rum - kannte ich Shadowrun, Battletech und DSA, ohne eine Vorstellung von P&P zu haben, nämlich einerseits von PC- und Konsolenspielen und andererseits und für mich sogar wichtiger: Weil ich in der Bahnhofsbuchhandlung mit DSA-, SR- und BT-Romanen zugeballert wurde und mir da meine Dosis Fantasy abgeholt habe. Nachdem ich dann auf die schwarzen DSA3 Boxen stieß, war die Sachlage ziemlich verlockend. Spiel mit Freunden, Spiel am PC (ich hab dann aus Interesse die Nordlandtrilogie angefangen, weil meine Eltern die im Schrank hatten) und außerdem noch ein Eintauchen in die Welt via der Romane.
Heute: Eher mau, weil diese Vernetzung eben nur über spezialisierte Händler gegeben ist. Obwohl Ulisses da einen guten Weg ging, DSA4 als Beilage zu Drakensang auf die DVD zu pressen. Ein Flyer dazuzulegen, der haufenweise coolen Krempel in Form verschiedener Medien abbildet, hätte mich eventuell aber sogar mehr geflashed. Ich hab mir übrigens dann auch Armalion zugelegt. DSA auf insgesamt 4 Ebenen also. Ich kriege das Gefühl, dass die Jungs da mit ihrem Skirmisher usw. auf einem gar nicht so schlechten Weg sind. Nur jetzt bitte noch ein gut verständliches und optisch rockendes Werk irgendwie in die Läden der Innenstädte bringen. Oder zu Gamestop oder so.

TheShadow hat gesagt…

Predige ich seit Jahr und Tag. Ein geniales Fenster für eine wirklich coole Marketingkampagne schließt sich leider in wenigen Monaten.

http://tagschatten.blogspot.de/2013/12/kommt-mal-in-die-hufe-verleger_29.html

Ansonsten haben die Promethen ALLES griffbereit für eine geile Einsteigerbox. Derzeit ist das sogar alles für lau zu haben.

http://tagschatten.blogspot.de/2014/02/psssst-hey-magst-du-25-euro-sparen.html

Aber auf uns hört ja niemand.