Donnerstag, 12. September 2013

[Interview] Swen Harder (Autor von "Reiter der Schwarzen Sonne")

Mal wieder ein Interview. Passend zu einem aktuellen Anlass - meiner Rezension seines Buches "Reiter der Schwarzen Sonne" im DnD-Gate - habe ich mir mal Swen Harder zur Brust genommen und über das dickste Ding seit dem Postraub und sein aktuelles Projekt befragt:




Seifenkiste: Hi! Wir haben uns ja schon auf so mancher Con getroffen und ich kann vorausschicken, dass es mich sehr für dich freut, wie gut sich „Reiter der Schwarzen Sonne“ scheinbar verkauft. Also lass uns das Grillen ohne viel Gequatsche beginnen!

Spielbücher sind ja mal sowas von 80s - wie kamst du auf genau dieses Medium?

Swen: Weil ich in den 80ern aufgewachsen bin und in dieser und der nachfolgenden Dekade viel mit Spielbüchern und Rollenspiel im Allgemeinen zu tun hatte. Diese Art des Hobbys gab mir recht viel – letztendlich bis heute. Außerdem wollte ich schon immer mal ein Spielbuch schreiben.

Seifenkiste: Das kann ich gut verstehen, ich bin bisher aber mit beiden Versuchen gescheitert, eines zu schreiben. Wie hast du es geschafft durchzuhalten und gleich so einen Riesen-Ziegelstein zu schreiben?

Swen: Ich weiß auch nicht. Wahrscheinlich weil ich der Typ "durchziehen" und "niemals aufgeben" bin. Je größer die Herausforderung, desto besser. Dass es am Ende das größte Spielbuch wurde, hatte auch was mit meiner Zielsetzung zu tun: Wenn ich schon ein Spielbuch schreibe, dachte ich mir, dann soll es auch ein Besonderes sein...

Seifenkiste: Aber wir alle wissen ja, dass es nicht auf die Größe ankommt, sondern wie man mit seinem Buch umzugehen versteht – auf welchen Spiel-Mechanismus bist du am stolzesten?

Swen: Es gibt schon ein paar Sachen, die mir in RdsS gut gelungen sind, denke ich. Zum einen die Tatsache, dass es für Anfänger und Profis gleichermaßen geeignet ist, da die Regeln nicht komplett am Anfang des Buchs vorgesetzt werden, sondern häppchenweise, nach den einzelnen Kapiteln. Zweitens die Flugmanöver mit einem neuartigen Verweissystem und zum Schluss das Finale, das je nach Charakterstärke, sprich Können des Lesers, den Schwierigkeitsgrad anpasst.

Seifenkiste: Stimmt. Hört sich gut an. Die gute didaktische Aufbereitung hatte ich ja auch schon in meiner Besprechung beim DnD-Gate lobend hervorgehoben. Schaffst du es halbwegs spontan einen Elevator Pitch rauszufeuern, der auch meine Frau und ihre Oma davon überzeugt, dass sie sich das Buch unbedingt zulegen müssen?
Der Fahrzug startet – du hast 10 Sekunden bis die beiden aussteigen…

Swen: RdsS ist die perfekte Einstiegsdroge zum Rollenspiel-Genre der Spielbücher. Einfacher Einstieg, tiefgründige Story und anspruchsvolle Rätsel. Kämpfe werden nicht stupide mathematisch abgehandelt, sondern zumeist mit Köpfchen.

Seifenkiste: Das wäre schon ein perfektes Schlusswort, aber ich bin halt kein Profi-Journalist. Kommen wir doch mal zum Verlag – bei Spielbüchern liegt die Verbindung zu Nic Bonczyk und dem Mantikore Verlag natürlich nahe. Erzähl doch mal lang und schmutzig aus dem Nähkästchen wie du an Nic geraten bist.

Swen: Ich hatte RdsS zu 50% fertig gestellt und war der Meinung, man könne vielleicht einen Dummen finden, dem ich das Machwerk andrehen könnte. So recherchierte ich im Internet und fand heraus, dass es tatsächlich einen Verlag gab, der sich auf Spielbücher spezialisiert hatte – der Mantikore Verlag. Ich schrieb kurzerhand ein hyper-professionelles Exposé und fuhr zur Spiel 2010 nach Essen. Dort drückte ich (ein wenig aufgeregt) Nic den Schnellhefter in die Hand. Er versprach mir, es sich anzusehen. Der Rest ist Geschichte.

Seifenkiste: Verdammt. Ich glaube in dem Moment könnte ich sogar daneben gestanden haben. Wie historisch wertvoll. Hätte ich doch Fotos gemacht.
Nic ist ja immer sehr schnell im Bearbeiten solcher Dinge (oder deligiert sie an Alex Kühnert weiter). Kriegst du den zeitlichen Ablauf noch zusammen von diesem Augenblick von weltgeschichtlichem Format bis zu dem, in dem du das gedruckte Buch in Händen hieltest?

Swen: Wow. Das ist hart. Ich machte mir nach diesem epochalen Treffen eh keine großen Hoffnungen. Dennoch arbeitete ich mehr oder weniger regelmäßig daran RdsS fertig zu stellen. Irgendwann kam dann eine Mail, man traf sich in Frankfurt, redete über das Projekt und seine Machbarkeit. Ich hatte natürlich andere Vorstellungen über die Schnelligkeit der Veröffentlichung und der Zusammenarbeit mit anderen Parts des Verlags. Aus meiner Sicht zog sich das Ganze ziemlich hin, zumal es mit den Illus nicht so reibungslos klappte, wie ich es gerne gehabt hätte. Wir entschieden uns aber rechtzeitig mit Fufu Frauenwahl einen deutschen Zeichner an Bord zu holen. Da war die Kommunikation wesentlich einfacher. Die letzten Wochen vor Drucklegung waren echt hart. Korrekturen noch und nöcher und es gibt einfach Dinge, die man nicht auf dem Schirm hat, die aber alle bearbeitet werden wollen. Als das Teil im Oktober 2012 endlich da war, war das natürlich ein erhebender Moment für mich.

Seifenkiste: Sprich: Es hat zwei Jahre gedauert. Das ist doch durchaus im Rahmen für so ein großes Projekt. Nun verkauft sich das Teil ja einen Tacken besser als geschnitten’ Brot und jüngst musste eine zweite Auflage gedruckt werden. Was hat euch denn geritten, ein komplett neues Cover anfertigen zu lassen und den Preis um 2 Euro zu senken?

Swen: Die Antwort klingt vielleicht etwas altruistisch oder überheblich. Aber die Wahrheit ist, dass Nic und ich eine Preissenkung ausführlich diskutierten und meinten, dass 19,95 nun ein fairer Preis sei, insbesondere in Verbindung mit dem Wunsch, die Zielgruppe zu erweitern. In diese Kerbe schlägt natürlich ebenso das neue Cover, das eher modern in einem gängigeren Fantasy-Look daherkommt. Ergänzend möchte ich aber noch sagen, dass Fufu zudem fünf weitere Ganzseiten-Illus und zwei neue Vignetten beigesteuert hat. Ich habe den Text in einigen Teilen erweitert, einige Fehler korrigiert und einen Epilog hinzugefügt. Nicht nur deshalb ist die 2. Auflage einen Blick wert. Selbst für Käufer der Erstauflage.

Seifenkiste: Hört sich gut an! Möge der Plan neue Käuferschichten zu erschließen, in Erfüllung gehen. Jetzt ist aber gut mit den Schwarzen Reitern. Ich habe bei Facebook gesehen, dass du ein neues Projekt am Start hast, das sich doch erfreulich wahnsinnig angehört hat. Was hat es damit auf sich?

Swen: Nach dem überraschenden Erfolg von RdsS stellte sich natürlich die Frage, wie geht’s weiter? Ich hatte bereits seit längerem die Idee, eine Spielbuch-Trilogie im feudalen Japan mit einem guten Schuss Fantasy zu schreiben. Irgendwann saßen wir zusammen und sprachen über zukünftige Projekte und neue Ideen und mir kam plötzlich der Gedanke, man müsse mal ein vollkommen neuartiges Spielbuch schreiben, dessen Genre – zumindest meines Wissens – bisher noch nicht bedient wurde. So kam ich auf „Metal Heroes – and the Fate of Rock“ – ein Rock-Comedy-Spielbuch.

Seifenkiste: Wenn du da einen Berater brauchst – ich habe die kompletten 90er nur Rock und Metal gehört und als Bühnenbauer gearbeitet. Kein noch so peinliches Klischee ist mir fremd. Und warum, bitte sehr, hast du da eine Band für gesucht?

Swen: Da komme ich gerne drauf zurück! So Roadie-Geschichten brauche ich noch ohne Ende. Eine Band, oder besser gesagt Bands, suche ich übrigens immer noch. Ich habe bereits einige ernste Anwärter und versuche darüberhinaus „große Fische“ an Land zu ziehen, doch da ist noch nichts spruchreif. Ja, warum in des Rock-Gottes Namen brauche ich Bands für ein Spielbuch, wenn ich doch Moritz M. kenne? Ganz einfach: Ich möchte dem Spielbuch eine CD beilegen. Allerdings nicht nur als puren „Soundtrack“, sondern eben auch als Entscheidungshilfe für die Geschichte selbst. Frag mich jetzt bitte nicht „Wie soll das funktionieren?“. Ich würde antworten, dass ich es zu diesem Zeitpunkt des Projekts nicht verraten kann... Die Wahrheit ist aber, dass ich es selber noch nicht genau weiß. Mein Bauchgefühl sagt aber, es wird klappen. Und darauf konnte ich mich bisher immer verlassen.

Seifenkiste: Hört sich total geil an! Ich kaufe das Ding auf jeden Fall. Ich hatte da als ich es gelesen habe sehr drauf gehofft, dass die CD nicht nur reine Beilage wäre. Ich kenne von früher noch den Drummer von Caliban, die mittlerweile einen ordentlichen Bekanntheitsgrad haben – soll ich den mal fragen, ob sie einen Track einspielen wollen?
Dann mal viel Glück für dieses und alle folgenden Projekte – gibt es noch etwas, was du in bester DORP-TV-Manier unter das Volk der Spielbuchfreunde bringen möchtest?

Swen: Genau in dieses Horn möchte ich stoßen: Wer ist oder kennt fähige Metal-Bands? Bevorzugt mit weiblichen (Gesangs-)Part. Meldet euch in meiner Facebook-Gruppe "Metal Heroes – and the Fate of Rock" oder einfach unter bands@metal-heroes.de
Für euch da draußen wäre es sicher eine gute Gelegenheit euer Geschrubbe an neue Ohren zu bringen.

Kommentare:

rorschachhamster hat gesagt…

*Growl* Geeeheee den Gang oderrrr öffnehehe die Türrrrrr *Schrupp*

Höhö!

Anonym hat gesagt…

Bist du dumm.