Montag, 30. September 2013

"Den Plot sprengen!"

Da ich ja sehr interessiert das Geschehen um die noch sehr junge Nerdpol-Youtube-Community verfolge, sehe ich mir auch immer die Streams an - aktuell ist das Anguys neue Rubrik "Mitternachtrauschen".
Dort schwadroniert er tapfer zwei Stunden über die Welt, Essen, Bücher, Rollenspiele...



Neben dem in der gesamten Community gebräuchlichen "Meister" und dem unfassbar grausamen Verb "meistern" stimmt mich das dort sehr stark propagierte klassische DSA 90er Jahre Mindset immer sehr traurig. Das hat ja seine Berechtigung - aber es steht sehr oft vollkommen unreflektiert und unwiedersprochen im Raum, daher muss ich jetzt mal kurz etwas dazu schreiben.

So etwa nach 20 Minuten im oben eingefassten Video erklärt Anguy - den ich bekanntermaßen als Typ und als eine treibende Kraft hinter der äußerst interessanten Szene schätze - sinngemäß, dass "ein Plot nicht gesprengt werden kann, da ich als Meister ja immer die volle Kontrolle habe und dann halt einfach alles so drehe, dass der Plot mit veränderten Voraussetzungen weiterlaufen kann. Dann macht man einfach den anfangs Bösen zum Guten..."


Argh! Das mag ja für eine gewisse Art zu spielen absolut okay sein, aber es als absolute Wahrheit zu verkaufen rollt mir echt die Zehennägel hoch.

Und nur um mal eine weitere Position gegenüberzustellen - auch das nicht mit dem Anspruch auf collkommene Wahrheit, sondern als meine Sicht auf Rollenspiel: "Ja, ein Plot kann nicht gesprengt werden. Denn er entsteht durch die Taten der Spieler durch die Charaktere in der Spielwelt. Die Charaktere dürfen nicht nur die Geschichte des Spielleiters erleben, sondern sie lassen die Geschichte entstehen, indem sie mit der Hintergrundwelt interagieren."

Dazu muss ich lediglich die Hintergrundwelt möglichst präzise ausgestalten - oder mir genügend interessante Zufallstabellen zur Hand nehmen - und genügend Konflikte zur Verfügung stellen, dass die Charaktere auch auf interessante Geschichten stoßen können, die sie dann vorantreiben. Auf Wunsch kann ich das auch irgendwann mal ausführlicher schildern.




... und noch ein kleiner Exkurs zum "Meister": Klar ist es nur ein Begriff, aber er lässt schon immer durchblicken "wes' Kind der Sprecher ist". Abgesehen davon, dass einem klar sein muss, dass der Begriff in einem von etwa 7238475906709 existierenden Systemen verwendet wird, hat er doch auch immer etwas Autoritäres. Marke: "Ich bin der Meister! Nur mein Wort zählt! Ich habe Kontrolle über Spiel und Geschichte!

Da ist "Spielleiter" doch schon neutraler. Ein Spielleiter ist von der Konnotation eher der, der dafür sorgt, dass Regeln beachtet werden. Derjenige, der zwischen Spielern und ihren Charakteren sowie Spielregeln und Welt vermittelt.

Auch dazu kann ich mich auf Wunsch gerne noch genauer äußern. Kein Ding. Ich muss nur mal gerade beim Ansehen des Videos Dampf ablassen.


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich finde Meister nicht schlimm, im englischen schwingt auch immer das Wort Master mit, in einer ganz ähnlichen Konnotation.

Ganz egal ob man jetzt Dungeonmaster oder Gamemaster verwendet. Ein anderes englisches Wort für Spielleiter fällt mir spontan auch nicht ein.

KristianH hat gesagt…

Referee oder Judge

Harald Wagener hat gesagt…

Ich mag Ref als Kurzform. GM laesst sich auch als "Game Moderator" umdeuten, das macht aber glaub ich niemand (-:

CK hat gesagt…

Warum sollte man eine Plotsprengung überhaupt verhindern WOLLEN? Ein von den Spielern gesprengter Plot ist doch so ziemlich das Beste, was das Hobby dem SL bietet und ihm am Tisch widerfahren kann, ihn überrascht und auch mal fordert.
Ergebnisoffenheit ist wertvoll und stellt jeden noch so "tollen" *räusper* Plot ganz klar in den Schatten.

greifenklaue hat gesagt…

@CK: Völlig richtig. Die Momente, wo "der Plot" - so es einen gibt, da hat Moritz ja nicht unrecht - aus dem Rahmen läuft, sind häufig die denkwürdigsten Momente!

grafhardimund hat gesagt…

Schon toll, wie man sich an Begriffen aufhängen kann. Hat der Meister die Autorität, die in ihn hineingeheimnist wird? Ich kommen mir, auch gerade in DSA-Runden, nicht wie jemand vor, der den Lehrlingen sagt, wo's langgeht, sondern eher wie ein Handwerksmeister gegenüber seinen Kunden, die sich für König halten.

Referee? Judge? Schiri? Schwarze Sau? Passt auch nur zur einem sehr speziellen Sport - äh, Spielstil.

Spielleiter ist ist sicher der am weitesten gefasste, die Verhältnisse an den meisten Spieltischen abdeckende Begriff.

Klingt halt nicht gerade sexy. Ähnlich wie Spielerfigur oder Spielercharakter nicht ganz so knackig ist wie Held. Und das dürfte wohl der Grund gewesen sein, warum sich Kiesow und Co. damals diese stimmungvolleren (huch - noch so'n Unwort) Begriffe ausgesucht haben.

Moritz hat gesagt…

Er hat "Stimmung" gesagt! Auf ihn! ;-)

Manfred Maul hat gesagt…

Meine Stimmung geht in den Keller, falls der Moritz diesen Samstag nicht auf dem Brain&Dice sein sollte!

-rillenmanni

PS: "Meistern" ist halt so ein Begriff, den ich nie verwenden würde, wenn ich mein Hobby (einmal mehr) einem Außenstehenden erkläre. Und das allein macht den Begriff "Meister" für mich schon suspekt.

Eismann hat gesagt…

Von mir aus kann man sich Meister, großer Wildwodel oder Doktor Hodenkobold nennen. Ich sehe da (außer vielleicht beim Hodenkobold) keinerlei Gesinnungshinweis drin. Okay, da hat jemand DSA gespielt, vielleicht sogar damit angefangen. Und jetzt? Hat er Rollenspielpest?

Callisto hat gesagt…

Danke für diesen Post. Volle Zustimmung, Spielleiter oder SL ist der Begriff, den ich nutze und ja, der Plot kann nicht gesprengt werden, da die Spieler bzw deren Charaktere ihn vorantreiben sollen. Es ist deren Spiel.

amel hat gesagt…

@Meister: Da der Begriff die allgemeine Attitüde von DSA-Abenteuern gut einfängt, kann man ruhig mal darüber öffentlich nachdenken. Ganz generell finde ich, dass "Held" und "Meister" Begriffe sind, die in eine Gruppe mit Erwachsenen nicht so gut passen. Sie haben sich halt durch Gewöhnung durchgesetzt (wie die Fehlübersetzung "Charakter" - ich bevorzuge jederzeit "Figur").

@Plot: Kommt wie immer darauf an. Es gibt (gute) Abenteuer und Situationen, bei denen bestimmte Spielerentscheidungen den SL ganz schön ins Schwitzen bringen und auch mal das Abenteuer sprengen können - selbst bei eigentlich ereignisoffenen "Plots". Das kann halt passieren. Man denke an Shadowrun, wenn die SC jeden Auftrag ablehnen, der an sie herangetragen wird :-) Auch hierfür gibt es Lösungen, aber der Standard ist nun mal anders.

Insgesamt bin ich aber absolut der hier vorherrschenden Meinung, dass vernünftig geschriebene Abenteuer nur schwer kaputtzumachen sind und sein sollten.

Elazar hat gesagt…

Meister geht gar nicht, das erinnert mich zu sehr an die 80er und diese komische Pappmaske.

Abgesehen davon finde ich die Art der Plotkontrolle welche in diesem Video propagiert wird mehr als grenzwertig. Spielerische Freiheit nur nach Gutdünken des Meisters? Ohne mich...

Der Rote Baron hat gesagt…

Die MASKE war aus Plaste und DSA IST NUR ECHT MIT MASKE!

Ansonsten: LL hat ja auch den "Herrn der Labyrinthe" und ich finde "MEister" und "meistern" oder "Master" und "Mastern" super (das Deutsche mehr als das Denglishe). "ErzählerIn" (Bin ich im Genderkindergarten?), "Schiedsrichter" (Wann ist Seitenwechsel?) oder "Judge" (mit Dredd?) finde ich dagegen zum Speien. Alleine "Hodenkobold" wäre bedenkenswert ...

Zum Plot und dessen Sprengung/ Bewahrung um jeden Preis: Stiime Greifi und Moritz zu.

Moritz hat gesagt…

"Doktor Hodenkobold" scheint mir auch für die Zukunft ein Schritt in die richtige Richtung zu sein. Dass der Eismann als DSA-Regel-Macher das propagiert, macht mir für DSA 5 wirklich Mut! ;-)

Eismann - da ist ne Kiste Bier drin, wenn du das irgendwo im Regelwerk unterbringst. WENN es nicht an Mario vorbeigeschmuggelt wurde, sondern er es sehenden Auges im Buch akzeptiert.

Elazar hat gesagt…

Echt? Plastik? Ich dachte immer die Maske wäre aus Pappe...

Diese Nerdpol Community mutet verdächtig einer starken Selbstbeweihräucherungsplatform der selbsterklärten Hangout Götter an.

Wenn man im Netz aktiv wird muss man allerdings auch mit Kritik leben können, was diese Jungs scheinbar nicht können. Stattdessen werden dann um 5 Uhr morgens irgendwelche "MiMiMiMi - Ich kann nicht schlafen weil Ihr alle so böse seid" Videos hochgeladen die irgendwie auf Kindergarten Niveau ablaufen und recht zickig rüberkommen.

Jetzt springen auch noch die nächsten Hangout Götter hinter dem Vorhang hervor und laden Videos hoch um diesem AnguyX den Rücken zu stärken, stellenweise wird dort auch ein ziemlich harter Ton aufgefahren.

Alles Kindergarten...

Falk hat gesagt…

@Moritz: Ich muss den YTber ausnahmsweise in Schutz nehmen. Ich glaube, du hast ihn falsch verstanden.
Er sagte, er würde den Plot anpassen, damit es weitergehen kann. Ich denke nicht, dass er damit den Plot meint, der vorher ablief, sondern eben den, der entsteht, wenn sich die Spieler anders entscheiden. Halt den angepassten.
Das Wort Meister habe ich um 20min herum auch nicht gehört.

bitte nicht antworten, ich finde das hier eh nicht wieder.