Freitag, 28. Juni 2013

Die Deutschen - Sklaven der Hintergrundwelt?

In einem Chat hatte ich vorgestern eine Art "Erweckungserlebnis" - eine Erkenntnis, die ich so mit meinen eigenen Spielvorlieben noch gar nicht begriffen hatte, hat sich mit einem fiesen Stachel in mein Gehirn gebohrt.

Deutsche lieben ihre Hintergrundwelten!

BÄM!!!

Denen ist das System prinzipiell völlig schnuppe.

Ich komme ja vom D&D der 80er her und da hatte man ein System und ein paar Abenteuer, die zwar in einer gemeinsamen Welt verortet waren, die aber prinzipiell in jeder anderen generischen Fantasy-Welt hätten spielen können. Wir hatten ein Regelwerk und haben uns Abenteuer selber gebaut und so die Welt Stück für Stück entstehen lassen.

Gleiches galt natürlich für das ein knappes Jahr später erscheinende DSA. Auch dort gab es eine Welt "Aventurien", die als Handlungsort mehr oder weniger genretypischer diente, aber auch nicht im geringsten ausdefiniert oder ausformuliert war. Nach und nach aber spielte sich diese Welt immer mehr in den Vordergrund und wurde als eigenständige Welt immer präziser und schärfer. Bei den folgenden Editionen wurde dann das System mehr oder weniger um die Welt herum entwickelt, um ihre Veränderungen darstellen zu können. Okay, mag sein, dass ich mit dem letzten Satz etwas über das Ziel hinausschieße, aber die Ungleichung

Setting > System 

dürfte tatsächlich für den Deutschen Markt Gültigkeit haben. Das war mir eigentlich so auch immer klar, aber dass wir Deutschen uns mit einem System ohne Setting schwer tun, war mir nicht klar. Würde bedeuten: Will ich LL wieder etwas anschieben, müsste ein Setting her - vielleicht nutze ich ja wieder den Adventskalender, um mein deutsches Setting von vor zwei Jahren weiter auszubauen...

Kommentare:

Tarin hat gesagt…

Wer hat dir diese Weisheit denn verraten? Muss ein großartig intelligenter Kerl sein. Vermutlich auch gutaussehend.

Moritz hat gesagt…

Nee, wenn ich mich recht entsinne warst du das...

Rorschachhamster hat gesagt…

Oh, ja, bitte, das kann ich dann für mein eigenes Setting kannibalisieren (<- etwas herber Anglizismus, das, was? *schäm* ).

Und ich bin auch mit D&D in den 80ern großgeworden... ;)

Ich denke, das diese Verflechtung von Setting und Regeln bei DSA allgemein der deutschen Szene so eine Art schlechtes* Vorbild einerseits, und hinderlich für die freie Entfaltung der Kreativität von so sozialisierten Spielern sowieso ist - was Hans nicht lernt... Wobei wir zu DSA 1 Zeiten noch unser Star Wars-DSA-Hack gespielt haben...

* Ja, finde ich. YMMV.

Zeitzeugin hat gesagt…

Oh witzig, darüber wollte ich eigentlich einen hangout oder einen Vlog oder so machen, aber jetzt wirkt das doof *g*

Bin nämlich auch eine Sklavin der Hintergrundwelt, Systeme waren mir schon immer schnuppe

ubiHEX hat gesagt…

"Und da ich bei kein Regelfetischist bin sondern mich bei Rollenspielen primär für das Setting interessiere"

Aus einem ubiHEX-Blogpost vom 01.12.2012. Halt typisch deutsch.

infernalteddy hat gesagt…

Ich würde es nicht als etwas "typisch Deutsches" bezeichnen, sondern als eine logische entwicklung aus der veröffentlichung von Spielwelten. Schließlich kann man ja eine ähnlicheentwicklung bzw. ähnliche Bindungen zu Spielwelten auch ab ende der 80s im internationalen bzw. amerikanischen szene beobachten.

Moritz hat gesagt…

@Teddy: Aber in weitaus geringerem Maße - gerade weil es ja für den Branchenprimus D&D etliche Settings gibt. So ist es den meisten D&D-SPielern völlig wumpe, ob sie nun auf Toril, Athas oder sonstwo spielen. In D gibt es die "Ein System - Ein Setting"-Grundidee, wo Welt und System eine fest verbundene Einheit sind. (Denn seien wir mal ehrlich - Aventurien mit anderen Systemen zu spielen existiert zwar, im Internet auch recht prominent, ist aber eine zu vernachlässigende Randerscheinung.)

rorschachhamster hat gesagt…

Wobei das interessantere ja wäre, DSA nicht in Aventurien zu spielen - mit Myranor etc. ist ja auch immer andere Rassen und so weiter verbunden. ;)

Karamorn hat gesagt…

@ Rohrschachhamster: DSA hat für mich die komische Angewohnheit einfach wie eine Couch zu sein, die beim Umzug einfach nicht durch die Tür will, egal wierum ich sie drehe ;-)
Aventurien würde ich sofort mit D&D bespielen, aber nicht Forgotten Realms mit DSA.

Rorschachhamster hat gesagt…

@Karamorn: Ja, eben, aber warum eigentlich? Bzw. ich weiß schon warum, aber eben trotzdem! Muß doch mal einer machen... und ich glaube die Realms könnten ganz gut passen. ;)

Christoph hat gesagt…

Ich bekenne mich dazu, ein solcher Settingsklave zu sein.

Allerdigns habe ich auch mit DnD begonnen, und DSA 20 Jahre ignoriert.

Anfang spielten wie die Kaufabenteuer von Dnd und anderen Systemen (Traveller z.B.) sozusagen ohne Setting, denn wir reihten die Abenteuer einfach ohne Verbindung aneinander.

Den Reiz eines Settings entdeckte ich erst Anfang der 90er mit Runequest und dem Setting Glorantha. Das war das erste Setting das mich begeisterte und durch das ich das entdeckte, was mich bis heute am Rollenspiel reizt: Das Abtauchen und Erleben eines Settings. Die Regeln sind für mich dabei Mittel zum Zweck,nicht Mittelpunkt des Spieles. Deshalb sollen sie halt auch die Eigenheiten des Settings und was dort möglich ist oder nicht wieder spiegeln. Und daher bin ich nicht der Meinung, das man jedes Setting mit jeden Regeln spielen kann, und viele Settings für Universalregeln für mich künstlich wirken, und ich das Gefühl habe, man hat das Setting in die Regeln gepresst statt umgekehrt.

Aber die Diskussion gibt es auch schon alnge im Ausland. Ursprünglich war Runequest für Glorantha geschrieben. Als RQ dann mit den späteren Auflagen vom Setting getrennt wurde, passte es nicht mehr für das Setting und an vielen Punkten wirkte das dann sehr bemüht. Das sagen bis heute viele Glorantha-Fans und spielen weiter RQ1 und 2.

RRQ und Glorantha sind ja beinahe so alt wie DnD. Da scheinen sich also auch in den USA mehrere Ströme in der Spielerschaft gebildet zu haben.

craulabesh hat gesagt…

Setting matters?