Sonntag, 2. Dezember 2012

[Interview] Georg Pils (Finsterland-Autor)

Immer mal wieder flackert in meinem Facebook Chatfenster einer der Finsterland-Autoren auf - Anlass genug, ihn der hochnotpeinlichen Befragung zu unterziehen:



1. Georg - schildere doch mal bitte kurz deinen Weg ins Rollenspiel.
Mit vier Jahren habe ich in einem Kasten bei uns zu Hause die rote Box von D&D entdeckt. Mein Vater hatte sich das Ding gekauft, weil er in der Zeitung davon gelesen hatte, hatte es aber nicht spannend genug gefunden. Auf jeden Fall war da ein Drache drauf. Und ein Krieger. Ich war hin und weg. Leider konnte ich noch nicht lesen und keiner meiner Verwandten war bereit, sich darauf einzulassen. Also habe ich die Bilder angeschaut und mir selbst ausgedacht, was man wohl damit machen könnte.

2. Das hört sich nach dem frühesten Einstieg ins Rollenspiel EVER an - wann hast du dann das erste Mal richtig gespielt?
Mit 12, DSA. Elfenfrieger. You know the drill.

3. Herrje. Warum hast du denn nicht mit der roten Box gespielt? Banause!
Ehrlich? Ich hab's probiert, aber ich war überfordert. Diese ganze THAC0-Sache ... Jetzt ist es kein Problem mehr, aber damals war das zuviel.
Es hat mich allerdings bei den DSA-Sachen gestört, dass da nicht 100.000 verschiedene Monster zur Verfügung standen.

4. Wenn ich mir deinen Facebook-Account ansehe, lese ich etwas von einer französischen Schule - haben wir etwa etwas gemeinsam und du hast auch früher DSA auf Französisch gespielt?
Interessanterweise nicht. Ich habe auf Französisch zwar Call of Cthulhu und Warhammer gespielt, sogar so schräge Sachen wie Teenagers from Outer Space und Amber, DSA nicht. Komischerweise sind wir auch nie auf Simulacres gekommen.

5. Dann liegt das einfach an den 6 Jahren Altersunterschied und du warst minimal zu spät für die französische DSA-Welle Mitte bis Ende der 80er. Okay, aber nun hast du dein „eigenes System“ und brauchst „uns Deutsche“ gar nicht mehr. Gib mir doch mal bitte spontan den Fahrstuhl-Werbetext für Finsterland!
So kann man das nicht sagen: Jetzt brauche ich die Deutschen noch mehr als jemals zuvor!

6. Aber ihre Rollenspiele nicht mehr. Also los, mach mich heiß auf Finsterland!
Finsterland ist ein Steampunk-Rollenspiel, das in einem fantastischen Zeitalter nicht unähnlich der Jahrhundertwende in Zentraleuropa spielt. Dampfmaschinen treiben die Welt an, Kriege werden ausgefochten und der Kampf um die Freiheit tobt!
Doch in den Tiefen der Erde schlummert eine uralte Bedrohung, die die durch die Konflikte geschwächte Menschheit erneut unterjochen will. Wird es den Spielern gelingen, ihre Figuren durch diese Zeit des Umbruchs zu lenken und eine bessere Zukunft zu erkämpfen?

7. Hört sich gut an. Was kann mein Charakter in dieser Welt denn so alles tun?
Das hängt von den Vorstellungen der Gruppe ab: Man kann einfache Geschichten als Aufträge inszenieren und die Probleme anderer Leute lösen, aber man kann auch eine epische, die Welt ändernde Kampagne gestalten, bei der die Handlungen der Charaktere das Schicksal der Menschheit beeinflussen. Das Setting wurde nämlich bewusst offen gestaltet, um nicht zuviel der Zukunft vorwegzunehmen.
Natürlich gibt es auch Spieler und Spielerinnen, die die Darstellung des fiktiven Umfelds ins Zentrum rücken. Dann kann man eine klassische Aufstieg- und Fall-Geschichte machen. So à la Buddenbrooks. Oder Krupp.

8. Also erwartet uns in Zukunft kein Settingband, der einen Metaplot vorgibt?
Die Sache mit dem Metaplot ist schwierig. Ich mochte die Exzesse in World of Darkness nicht besonders und ich muss auch sagen, dass es den Einstieg erschwert. Was es aber geben wird (morgen kommt das Erste heraus), sind gewisse Ereignisse, die man in seine Kampagne einbauen kann und die das Setting verändern. Ich beginne jetzt einmal mit ein wenig Politik, aber demnächst sollte es auch ein paar technologische Neuerungen geben. Diese Konzepte sind freiwillig und man kann sie anpassen, um die eigenen Bedürfnisse abzudecken.

9. Das beruhigt mich etwas – aber zu etwas anderem: Das Finsterland-Team trifft man auf so ziemlich jeder größeren Con an. Welche anderen Faktoren versucht ihr noch zu manipulieren, um euer System möglichst populär zu machen?
Wir versuchen, einen guten und verlässlichen Online-Support zu garantieren und Rezensionen von den relevanten Kritikern und Kritikerinnen der Branche zu bekommen (Danke nochmal!). Wir hatten auch schon ein Gewinnspiel. Was noch nicht so gut funktioniert, ist der Auftritt auf den wichtigen Foren der deutschsprachigen Rollenspielszene, weil da keiner von uns wirklich gut verankert ist. Das wäre wohl der nächste Schritt!

10. Ha! Da muss ich einhaken (ich kleiner Beckmann des Rollenspiels). Nur aus persönlichem Interesse: Nenne bitte spontan die drei "wichtigsten" deutschsprachigen Foren.
Soweit ich weiß, gibt es Tanelorn und, ja, da haben wir das Problem. Ich bin zwar oft auf RPG.net, aber das war's dann auch schon.
Die Aktion Abenteuer-Leute sagen mir auch was.

11. Nachdem ich es jetzt geschafft habe, dass du dich in fast allen Foren nicht mehr blicken lassen kannst, bedanke ich mich herzlich für deine Zeit und gebe dir jetzt die einmalige Chance ein paar Worte an das „Volk“ zu richten, die ich fett markieren und rot einfärben werde…
Es freut mich, dass Finsterland so vielen Leuten gefällt. Unser Team freut sich über Wünsche und Anregungen, um unser Setting und System zu verbessern. Ohne die Unterstützung unserer Spieler und Spielerinnen sind wir nur ein paar Nerds aus dem Wiener Becken, aber mit Euch sind wir die Erschaffer einer neuen Welt!
Danke übrigens für die Gelegenheit für das Interview.

1 Kommentar:

greifenklaue hat gesagt…

Interessantes Interview mit erstaunlichem Livecharakter!