Samstag, 15. Dezember 2012

[Interview] Christian Saßenscheidt (Myranor-Autor)



Schon vor einiger Zeit habe ich Sassi, eines der Myranor-Uhrgesteine zu einem Interview geprügelt. Ein grandioser Kerl, der gerade in seinem Aufruf doch weit über den Rollenspieltellerrand hinausschaut...

1. Christian - schildere doch mal bitte kurz deinen Weg ins Rollenspiel.
Das war eigentlich ganz klassisch: Ein Freund aus meiner damaligen Siedler-von-Catan-Runde lud mich damals, 1997, zu einem Spiel ein, das sich etwas komisch anhörte ... Kurz darauf war ich begeisterter DSA-Spieler.

2. Absolut klassisch! Wie kam es dann zu deinem Engagement für Myranor?
Tatsächlich durch das Jahr des Feuers. Die Kampagne enttäuschte meine Erwartungen sehr und die Umgestaltung Aventuriens war so erst mal nichts für mich. Nach damals 9 Jahren Aventurien nahm ich dann 2006 das Myranor-HC zur Hand und war begeistert von der Erweiterung meiner DSA-Welt und ihren Möglichkeiten. Speziell das Aufnehmen klassischer DSA-Elemente in anderen Kontexten ist etwas, was ich sehr liebe und auch in meinen Runden in Myranor wie den Dunklen Zeiten praktiziere.

3. Wie schafft man den Schritt von „begeistert sein“ zu „etwas zu einem offiziellen Produkt beitragen“?
Puah. Das war eine Kombination aus vielen Zufällen, die ich kaum mal eben kurz zusammenfassen kann. Ich habe mich recht bald aus Eigennutz für Myranor engagiert - ich wollte ja mehr Material haben - und habe angefangen, Runden im örtlichen Spieleladen und auf Cons anzubieten. So kam ich in Kontakt mit der Memoria Myrana und darüber dann zu ersten Autorenkontakten. Zudem hatte ich den Vorteil, dass ich mich sehr für die DSA4-Regeln interessiere - und da gab es einfach gerade bei den Myranor-Autoren einen kleinen Mangel. Olaf Michel konsultierte mich bei seinen ersten Überlegungen zu einem neuen Magiesystem, und plötzlich war man Bandredakteur ... Halt wie die Jungfrau zum Kinde.

4. Du kannst dir sicher denken, dass „Myranische Magie“ vermutlich das Rollenspielwerk ist, das am weitesten von meinen persönlichen Präferenzen entfernt liegen dürfte. Wie überzeugst du mich davon, es doch einmal aufmerksam zu lesen?
Bei dir? Keine Chance! Wäre Zeitverschwendung. Zumindest, was den kompletten Regelteil angeht. Du solltest dir wirklich nur die Formeln durchlesen, für dein Art des Rollenspiels reicht die formale Zauberei völlig, Ausbauregeln und Spontanzaubern sind nix für dich ...
Du siehst, worauf ich hinaus will;)? Es ist modular genug, dass du auch sehr simple Konstrukte finden kannst, mit denen zu spielen sich lohnt. Das zieht sich bei Myranor auch konsequenter durch: Es wird so modular wie möglich gehalten, um auch verschiedene Spielstile gut bedienen zu können. Was ich übrigens auch in meinen Runden praktiziere, die haben sehr unterschiedliche Myranors.
Ergo: DU liest dir nur die Formelsammlung durch und die allgemeine Einleitung zum Zaubern. Den Rest lässt du links liegen und schreibst in der Zeit besser ein Dungeon, das ich dann crawle...

5. Schreibst du derzeit noch an offiziellem Myranor-Material?
Im Moment nur an meinem persönlichen Projekt, dem Era'Sumu-Band, zu dem auch schon einiges an Texten existiert. Leider lässt meine persönliche Situation - einerseits der Endspurt bei der Dissertation, andererseits das Versagen meiner Nieren vor 2 Jahren und die sehr zeitraubende Dialyse - derzeit kaum mehr als konzeptionelle Gespräche zu, obwohl ich gerade am Regelteil von Myranisches Zauberwerk riesiges Interesse habe.

6. Trotzdem bist du immer noch im Einsatz als Myraniar. Wie habe ich mir das vorzustellen?
Das ist auch etwas, das ich keinesfalls aufgeben will! Die Basis meines Engagements war immer das Myranor-Meistern - und den Kontakt zu den Fans und eben zum praktischen Spiel will ich nicht missen. Außerdem ist es ein fantastisches Gefühl, zu sehen, was die Leute aus dem machen, was von mir ins Spiel eingeflossen ist, wen Rassen bespielt werden, die ich regeltechnisch mitkonzeptioniert habe, oder wieder mal meine Lieblinge, Erasumier oder Satyare, auftauchen. Und viele Spieler, die ich auf Cons bespaße, haben teilweise einen längeren Weg mit Myranor zurückgelegt als ich.
Aber zum Thema „wie muss ich mir das vorstellen“:
Ich denke mir ein Szenario aus (fast immer ergebnisoffen).
Dann fahre ich zur Con.
Dann ziehe ich mein T-Shirt an, hänge die Runde aus und warte.
Und dann schaun mer mal, was die Spieler mir entgegenwerfen ... Ich hatte schon alles von einer wahnvorstellerischen Aventurierin, die sich für Hela-Horas hielt, über Baramunen bis zum aventurischen Novadi oder einen Shingwa-Architekten in der Runde.
Es ist eben genauso bunt und vielseitig wie Myranor selbst.
Und genau das liebe ich daran und werde es auch nicht aufgeben, solange es möglich ist!

7. Das scheint mir echter Enthusiasmus zu sein. Hattest du den immer in allen Jahren des Rollenspiels?
Ja.

8. Ich hasse Interviewer, deren Fragen länger sind als die Antworten der Interviewten. Könntest du dir vorstellen DAS „untreu“ zu werden und auch für andere Systeme zu schreiben?
Klar.
(Und ja, auch für Dungeonslayers könnte ich mir das vorstellen.)

9. Danke für deine Zeit. Wie alle anderen Interviewten hast auch du nun die Chance auf die Seifenkiste zu steigen und ein paar Worte an das „Volk“ zu richten, die ich fett markieren und rot einfärben werde…
Wenn ihr das hier lest, muss ich euch zu Rollenspiel nichts mehr erzählen. Daher hier ein anderer Hinweis, der mir sehr wichtig ist: Ich warte auf ein Organ. Derzeit werde ich wohl noch 5-6 Jahre warten. Ich weiß, dass viele Menschen in der letzten Monaten misstrauisch gegenüber der Organspende geworden sind, aber alle Skandale hatten nur einen Grund: Dass es zu wenig Spenderorgane gibt. Daher bitte ich jeden, der noch keinen Ausweis hat: Bitte, bitte, BITTE tragt einen bei euch! Man kann ihn einfach hier herunterladen: http://www.organspendeausweis.org/
Und hier könnt ihr mich einmal live bei der Dialyse sehen:
http://www.sat1bayern.de/news/20120307/welt-nieren-tag-am-8-maerz/
Überlegt es euch. Bitte. Für mich bedeutet es "nur" massiv erhöhtes Infarktrisiko, Schmerzen beim Stechen, Verlust von etwas Leistungsfähigkeit und 15 Stunden die Woche im Krankenhaus. Aber andere sterben, weil es keine Organe für sie gibt!


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