Donnerstag, 1. November 2012

[Interview] Andreas Schnell (Heredium, Minotauren)



Nächster "Schaffender" in meiner Reihe ist Andy Schnell - den meisten bekannt als Autor von Heredium, der mittlerweile aber mehr und mehr ins Roman-Fach "abgleitet"...

1. Andreas- schildere doch mal bitte kurz deinen Weg ins Rollenspiel.
Anfang der 1980er Jahre kam ich das erste Mal in Berührung mit Rollenspiel. Damals mit der ersten Edition von AD&D. Ich hatte damals einen Freund, der ein paar Jahre älter war und in Frankfurt einen Laden für Bücher, Rollenspiele & Co. aufgemacht hat. Anfangs war es schwer, ein paar vernünftige Leute zusammenbekommen, aber nach eins bis zwei Jahren gab es eine Stammgruppe, mit der wir Jahre gespielt haben. Ich meist als SL.

2. Ich kenne es noch aus den 80ern, dass man längere Zeit an "System" kleben blieb und nur sehr wenig nach links und rechts geschaut hat. War das bei euch auch so?
Auf jeden Fall. Wir waren Hardcore-D&D Spieler. Alles andere - besonders DSA - war vollkommen verpönt. Ich habe tatsächlich erst rund 10 Jahre später die ersten Ausflüge in andere Systeme unternommen. Das waren dann meist Nischensysteme, um so einen Kontrast zu D&D zu bekommen.

3. Was passierte alles noch zwischen den „AD&D-Jahren“ und der Entstehung von Heredium, durch das du bei den meisten Lesern bekannt sein solltest?
D&D in den verschiedensten Editionen war eigentlich immer mein Haus- und Hofsystem. Es gab da immer wieder Ausflüge aber dem D&D-Multiversum bin ich sehr lange treu geblieben. Wie es als SL so ist, beginnt man irgendwann seine eigenen Geschichten und Abenteuer zu spinnen. So hab ich eigentlich den Einstieg in ein engagiertes Schreiben gefunden. Anfangs kleine Geschichten, dann immer länger. In der Zeit sind einige Romane entstanden, von denen ich ein paar tatsächlich noch in der Schublade habe, die man aber keinem zeigen kann. Bevor ich dann wirklich angefangen habe an Heredium zu arbeiten bzw. an dem Vorläufersystem, habe ich aber ein paar Jahre Rollenspiel aus den Augen verloren bzw. nur noch sehr sporadisch betrieben.

4. Heredium ist aber nicht nur vom Setting, sondern auch von den Regeln her eher „D&D-fern“- Wovon hast du dich stattdessen inspirieren lassen?
Man muss dazu ja sagen, dass ich Heredium ja nicht alleine entwickelt habe. Da gab es vor allem Alexander Malik, der einigen von Degenesis und einigen anderen Projekten bekannt sein dürfte. Wir haben Anfang der 2000er Jahre gemeinsam an einem System gebastelt: "Caligis". Das Ding war eigentlich auch schon fertig, aber kurz vor der Veröffentlichung kam ein anderes System auf den Markt, dass unseren sehr ähnlich war. Da haben wir entschieden es nicht zu veröffentlichen. Caligis war dann eigentlich auch der Vorläufer für Heredium. Für meinen Teil kann ich sagen, dass ich mich von der Realität habe inspirieren lassen. Die ist - zumindest wenn man richtig hinschaut - sehr viel spektakulärer und grauenhafter, als es Filme oder Bücher jemals sein könnten.

5. Du hast vor einiger Zeit auf Facebook ganz vage von einem neuen System geschrieben, das du im Hinterkopf hättest. Ist in die Richtung etwas geschehen?
Ja, ich habe da tatsächlich ein wenig mit experimentiert. Es ist aber noch nichts dabei herausgekommen, was vorzeigbar wäre. Die Arbeit an Rollenspielen musste in den letzten Jahren aber auch stark zurückstecken, was vor allem an meiner Arbeit an Romanen liegt. Darüber hinaus arbeite ich aber auch wieder mit Alexander Malik zusammen. Er hat mit "Fehdefeuer" ein sehr schönes System am Start, das kurz vor der Fertigstellung steht. Dort werde ich mich in Zukunft ein wenig stärker einbringen.

6. Okay, du hast es geschafft und ich muss einfach nachfragen – darfst du spontan etwas zu „Fehdefeuer“ erzählen, oder muss ich da Malik ausquetschen?
Ich könnte da einiges zu erzählen. Ich bin auf jeden Fall sehr begeistert von dem Setting. Für Details solltest Du aber auf jeden Fall Malik ansprechen.

7. Zurück zu dir. Du hast schon die Romane angesprochen. Was gibt es da aus Vergangenheit und Zukunft zu berichten?
Da läuft es auf jeden Fall auf Hochtouren. Es sind zwei Romane fertig, die auf Veröffentlichung warten. Bei dem einen handelt es sich um eine Geschichte, die eher im literarisch-zeitgenössischen Spektrum einzuordnen ist und unter Umständen für den Harcdcore-Fanatsy-Fan nicht so interessant ist. Der andere Roman "Tage des Niedergangs" ist der Auftakt zu einer Serie, die beim Mantikore-Verlag erscheinen wird. Ich bin von der Geschichte sehr begeistert und bei den Lesungen, die ich zu dem Thema bislang hatte, kam es sehr gut an. Erscheinen wird es - soweit ich weiß - zur nächsten RPC.

8. Bei einer solchen geplanten Serie – weißt du dann jetzt schon grob wie die gesamte Reihe verlaufen wird, oder setzt du dir Zwischenziele und gehst dann „mit dem Flow“?
Ich sage es mal so: die groben Eckpfeiler der Story stehen schon aber ansonsten gehe ich mit dem Flow. Allein bei dem ersten Buch gab es schon ein paar ulkige Wendungen, die in dieser Form im Exposé nicht vorgesehen waren.

9. Auf der MantiCon meintest du, du hättest Lust ein Labyrinth Lord-Abenteuer mit mir zu schreiben. Sollen wir uns mal an einen kleinen 16-Seiter wagen, den man zum Gratisrollenspieltag drucken lassen könnte?
Auf jeden Fall. Ich bin dabei!

10. Dann kriegst du in den nächsten Tagen eine Mail und jetzt die Chance, ein paar Worte an das „Volk“ zu richten, die ich fett markieren und rot einfärben werde…
Freu mich drauf. Ansonsten kann ich nur sagen: Kauft mehr Bücher, am liebsten beim Buchhändler um die Ecke und das Sahnehäubchen wäre es natürlich, wenn ein Titel von mir dabei wäre.


Kommentare:

Roger (teilzeithelden.de) hat gesagt…

Du hast die rote Formatierung vergessen ;) Interessantes Interview. Wie es weiter mit Heredium geht, hast Du nicht erfahren, oder?

Moritz hat gesagt…

Da weiß Andy auch nix zu.