Montag, 16. April 2012

DSA-Vorlesetext-Wettbewerb: Die Loser!

Hier sind sie, die "Versager" des DSA-Wettbewerbs, die "Nichts-Könner" der 21 Teilnehmer, die kein einziges der Jury-Mitglieder so überzeugen konnten, dass sie es in deren Top 5 geschafft haben. Für ein paar ergötzliche Minuten sind aber auch diese Beiträge gut und sie würden jedem DAS-Abenteuer der 90er gut zu Gesicht stehen. Und man sollte es nicht glauben, aber es ist so manch "veröffentlichter" Rollenspielschreiber in dieser Liste zu finden.

Die Texte, die punkten konnten, das Podium und der äußerst spektakuläre Überraschungssieger folgen im Laufe der Woche.


Liste Nummer 1 - DER PRANGER!


Frank Röhr
Eben noch habt Ihr Euch in Eure Decken gehüllt und dem Rauschen der Bäume im Abendwind zugehört. Warum nur bist Du auf einmal wach? Der Wald um Euch herum ist auf einmal ganz anders. Still, völlig still, bedrückend und beklemmend.
Die Dunkelheit, die eben noch ein lauer Sommerabend war, ist eine Andere. Sie hat sich wie ein bleierner Gürtel um Deine Brust gelegt. Schmerzhaft hörst Du Dein eigenes Herz dagegen anpochen, als wolle es diesen Gürtel zerspringen lassen.
Diese Dunkelheit ist mehr als nur die Abwesenheit von Licht. Panik überkommt Dich. Du weißt, dass in dieser Dunkelheit etwas lauert. Etwas Böses. Und als Du Dich noch fragst, ob diese Kreatur - oder was immer sie sein mag - für Dich greifbar ist, hörst Du ein Lachen.

Christian Buggedei
Bang und frierend steht Ihr an der vereinbarten Stelle. Da, wo sich die beiden großen Straßen begegnen. Ihr seid, wie Euch vom geheimnisvollen alte Mann geraten wurde, unbewaffnet. Selbst Dolche habt Ihr im Lager zurückgelassen.
Im fahlen Mondlicht erkennt Ihr, dass weit und breit niemand anderes unterwegs ist. Langsam zieht sich der blinkende Sternenhimmel mit Wolken zu, und selbst der silberne Mond ist nur noch eine blasse Ahnung in der Finsternis. Ein Wind zieht auf, und von Ferne könnt Ihr stetig näherkommendes Donnergrollen vernehmen.
Der Donner folgt in immer kürzeren Abständen, und wird auch mit jedem Mal immer lauter. Schlußendlich schlägt ein mit lautem Getöse ein furcherregender Blitz direkt vor Euch auf der Kreuzung ein! Als Eure Augen sich wieder davon erholt haben, steht ein freundlich aussehender Herr in seltsam formalen Gewändern vor Euch. “Ihr habt gerufen?”

Moritz Mehlem
Nach Atem ringend seht ihr euch in der alten Schmiede um, in die euch euer beherzter Sprint auf der Flucht vor den Bütteln des Vogtes Reto Brechtmeister geführt hatte. Nur langsam gewöhnten sich eure Augen an das schummerige Licht in der stickigen Kammer, deren Zentrum von einer gewaltigen Esse eingenommen wurde, in der gerade ein gewaltiger schon glühender Metallblock lag. „Na, na, ihr Racker“, brummte es aus einer dunklen Ecke, aus der auch sogleich der bärtige Meister Hellebrandt, einen gewaltigen Stahlhammer in der Hand haltend, heraustrat, „was soll denn diese äußerst travia-ungefällige Eile?“
Ihr blickt euch panisch mehrmals um, bevor ihr die schwere metallverstärkte Eichentür der Schmiede schwer atmend hinter euch zuschlagt und kaum...

Onno Tasler
Ihr gelangt an eine lauschige Lichtung, an deren saftigen grünen Blättern, die leicht im Wind wogen, zierliche Tautropfen hängen. Das leise Rauschen des Windes erfüllt euch mit Glückseligkeit und ihr fühlt euch im Einklang mit dem Wald. In eurer Euphorie bemerkt ihr nur langsam, wie sich euch tänzelnd Gestalten nähern, die von wehendem Bausch umwogt werden. Wesen wie aus Licht und Traum greifen eure Hände und ziehen euch in ihren Reigen, in dem sich auch der Behändeste von euch wie ein Klumpfuß fühlt, während auch der Unbeholfenste meint, er sei willkommener Gast. Wer könnte nun noch zweifeln, dass dies Rahjas liebste Kinder seien, denen ihre fürsorgliche Bitte galt? Ein brennendes Verlangen, für euren Unglauben zu sühnen, überkommt euch.

Jonas Richter
Nach einem anstrengenden Fußmarsch unter sengender Sonne seid Ihr schwitzend und erschöpft bei der Oase angekommen. Dankbar genießt Ihr den kühlenden Schatten unter Palmen, die unbeirrt dem unwirtlichen Klima abtrotzen, was sie zu ihrem kargen Dasein in dieser Gluthitze benötigen. Ihr habt Euch mit frischem Wasser erquickt, das Euch ungeachtet seines brackigen Aussehens so lieblich wie Honigwein schmeckt, als Euch ein rundlicher Mann mit beinahe kugeligem Schmerbauch, dessen gemütliche Erscheinung durch seine tiefliegenden, wachsamen Augen ergänzt wird, salbungsvoll anspricht: „Seid gegrüßt! Euch schickt Rastullah, der in seiner unfassbaren Größe die Gebete eines unwürdigen Händlers erhört hat. Erweist mir die Ehre und seid meine Gäste!“

Christoph Michaelis
Wie immer hängt ihr gebannt an Meister Werthers Lippen. Schon manch‘ Problem habt ihr für den Wirt gelöst, jedes eines Schwertkönigs würdig! Ratten im Keller! Katze auf Baum! Unfähiger Adliger! Al’Anfaner auf der Durchreise! Natürlich stets ohne eine Belohnung zu erwarten. Ihr seid Helden, kein Söldnerpack, bei Rondra! Doch dieser neue Vorfall ist so ungeheuerlich, dass euch fast des Meisters Sülze im Hals steckenbleibt (obwohl sie euch dennoch schmeckt, Travia sei Dank!). Ein für die Dörfler wichtiger Flügelhelm wurde gestohlen. Leider weiß man nur, dass es drei von Grund auf böse Orken waren, die zu den Höhlen im Norden flohen.
So brecht ihr frohen Mutes auf, sicher, dass euch am Ende des vorbestimmten Weges das Abenteuer bereits erwartet!

Praesi 3
Vor versammeltem Hofstaat erhebt sich der Kaiser, und spricht feierlich zu euch:
„Wir und das Reich danken euch für eure unschätzbare Hilfe. Ohne eure Kunst und euer Geschick wären die Verhandlungen mit den Horasiern sicherlich gescheitert. Nur eurem unermüdlichen Einsatz und eurer Kreativität ist es geschuldet, das der Frieden gewahrt bleibt.“ Mit diesen Worten heftet er euch den Reichsorden am Purpurnen Band an.
Die Menge applaudiert, und mit einem verschmitzten Zwinkern flüstert der Regent euch lächelnd zu: “Bei den Zwölfen, die alte Amene war einfach zu begeistert von eurem Franfelder Kranz mit Bornländer Buttercreme und Unauer Mandelkrokant!“
Erneut erhebt er die Stimme und verkündet „Hiermit ernennen wir euch zu ersten Hofzuckerbäckern.“

Kamillo
Es hat funktioniert! Magisch verborgen beobachtet ihr Sie. Nahema! Es gab gute Gründe, warum sie gehen muß und nun wird sie es tun. Nahema setzt den Kelch an ihre vollen Lippen und trinkt. Ihr seid für den Inhalt verantwortlich, ihr habt habt viele Gefahren bestehen müssen und Gefährten verloren, doch nun werden alle diese Strapazen belohnt. Ihr lächelt, als Nahema bemerkt, dass etwas nicht stimmt, doch bei einem genaueren Blick bemerkt ihr, dass sie lächelt, als sie zusammensackt. Es ist an euch, nervös zu werden und ihr haltet den Atem an. Nahema bewegt sich für einen endlos erscheinenden Moment nicht, dann bricht ein Licht aus ihr hervor, welches euch blendet. Als ihr wieder sehen könnt, nehmt ihr eine Gestalt wahr. Es ist Nahema, noch unwirklicher als zuvor, in weissen, den Körper betonenden, wallenden Gewändern. Es ist Nahema, die Wiedergeborene und ihr habt Schuld.



Kommentare:

Markus hat gesagt…

Ha, ich steh' am Pranger!
Ich finde die Dinger trotzdem allesamt (!) sehr DSA-like und stimmungsvoll.

Moritz hat gesagt…

Ich auch. Also beides...

ghoul hat gesagt…

Aua! Es tut so weh!
:D

Markus hat gesagt…

Aber es ist ein schöner Schmerz ;-)

Graf Hardimund hat gesagt…

Potzblitz, bei Rondra, dabei war schon viel Gutes bei. Sehr stimmungsvoll, sehr bevormundend.