Sonntag, 29. Januar 2012

Bescheiße nie deine Spieler!

Im Zuge des Januar-Themas des Blogger-Karnevals mit dem Thema "Verkleiden, Lügen, Täuschen" möchte ich mich ganz klassisch meiner Ansicht von Spielleitertum annehmen.

Obwohl ich mal vor 8949364 Jahren einen Artikel gebloggt habe, in dem ich dafür eintrete, dass man auch mal Würfe zugunsten der Spieler drehen darf (der in einem kurzen blindwütigen Anfall von Verehrung für Frank Mentzer entstand), habe ich es doch eigentlich immer so gehalten, dass ich offen würfle und meine Spieler sich darauf verlassen können, dass das, was mein Würfel zeigt, auch seinen Einfluss auf das Spiel haben wird. Das mag hart klingen, denn gerade bei Systemen wie Labyrinth Lord, die ohnehin eine hohe Mortalitätsrate haben, sollte es doch nur fair und richtig sein, ihre Überlebenschancen wenigstens auf diese Weise etwas zu erhöhen.

Aber nein. Weit gefehlt. Die Welt ist hart, brutal und ungerecht und dies muss den Spielern klar sein, wenn sie ihre Charaktere in dieser Welt handeln lassen. Gerade Leute, die schon mit mir auf Cons gespielt haben, wissen, dass ich hart, aber dadurch zuverlässig und gut auszurechnen, leite. (Gell, feiger Magier?!?) So können sich die Spieler darauf einstellen was sie erwartet. Gerade bei niederstufigen Charakteren entsteht so ein ganz besonderes Spiel, in dem es gilt, möglichst einfallsreich seine Ressourcen zu nutzen und alles dafür zu tun, dass man die Wahrscheinlichkeit durch gute Vorbereitung immer weiter in seine Richtung ausschlagen lässt.



... all das gilt jetzt natürlich primär für die Systeme und den Spielstil, die/den ich für gewöhnlich pflege. Dennoch denke ich, dass es bei jeglichem (Rollen-)Spiel wichtig ist, die Regeln einzuhalten (oder zumindest vorher klar zu klären an WELCHE Regeln, die einem das Spiel bietet, man gedenkt, sich zu halten. Nur so können die Spieler ihre Charaktere wirklich unbefangen spielen und sich darauf verlassen, dass ihre Handlungen auch wirklich etwas bewirken.

...

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Schön und ohne Geschrei die Sache zu Papier gebracht!

greifenklaue

Benjamin hat gesagt…

Nochmal: Deine Definition von "feiger Magier" ist meine Definition von "nicht lebensmüder Schwachkopf". Ich finde es auf Cons wie anderswo nicht witzig, meinen SC in den Fleischwolf zu schicken, nur damit der SL unter lauten Freudenausbrüchen noch ein paar Minis durch den Raum pfeffern kann.

Jan hat gesagt…

Yay! Gut, dass ich noch jemand dieses Teilaspekts des Themas annimmt, bevor der Monat vorbei ist. Danke!

aceofdice hat gesagt…

Grundsätzlich halte ich es auch so, weil es für mich einfach zum Vertrauensverhältnis zwischen Spieler und Spielleiter gehört.
Ich muss aber auch sagen, dass ich mich in meinen eher erzählerischen Kampagnen schon manchmal beim Blick auf die Würfel "verschaut" habe, um das aufkommende Drama nicht zu erwürgen.

Laivindil hat gesagt…

Ich habe einmal als SL Würfel gedreht (und bin dabei "erwischt") worden. Obwohl zu Gunstel der Spieler, war ihre Reaktion so lehrreich, dass ich es nie wieder gemacht habe. Und seit Savage Worlds weiß ich, wie entspannend es für den SL sein kann, offen zu würfeln.

Der Rote Baron hat gesagt…

Mein Schirm ,meine Unterlagen, meine Würfel - meine Ergebnisse! Geschummelt wird dennoch nie bis kaum, aber auf meine Würfel gucke nir ich - das Ergebis verräte sonst zu viel über den Gegner ("Ne 18 und nicht getroffen? So'n Lolli!" - "eine 11 und RK 0? FLIEHT, IHR NARREN!"). Das beschreibe ich dann schon. Offenes Würfeln ist mir ein Graus.

Benjamin hat gesagt…

Was würdest Du Dir damit denn vergeben? Die große Spannung?

Der Rote Baron hat gesagt…

Es ist hauptsächlich eine Geschmacksfrage denn eine grundsätzliche sache. Ansosnten habe ich den Grund genannt: Spieler erhalten Informationen zur Stärke/ Gefährlichkeit der Gegner, die sie so im Abenteuer nicht erhalten könnten. Ich gebe ja auch nicht lauthals kund, wie viele TP der Gegner noch hat. Und inwiefern erzeugt offenes Würfeln Spannung? Weil es beweist, dass der SL nicht mogelt? Doll. Muss ich als nächstes nach dem Abenteuer noch meine Aufzeichnungen vorlegen und das Abenteuer auf korekte Spielleitung hin beurteilen lassen?
Jawohl - ich bin ein Schirmdespot und Geheimnisstalinist, der Robespierre des undurchsichtigen Würfelns und Nero des Leitens!

Dark_Tigger hat gesagt…

@Roter Baron
Aber verdecktes Würfeln erhöht die Spannung, oder was?
Und außerdem, uhhhh die Spieler wissen welche Werte der Gegner hat uhh schrecklich. Dadurch geht nun wirklich jede Spannung flöten. Und die ganze schöne Immersion...

Mein persönlicher Spitzenwert ist aber der SL der uns nicht sagen wollte welche Waffen die Gegner haben.

Ach ja ich würfel auch grundsätzlich offen. Und gedreht wird nichts.

Anonym hat gesagt…

Der rote Baron sprich wahr und gelassen, und greinend sitzen sie vor seinem hohen Meisterschirm und kreischen: Wieso glaubst Du, dass das spannender ist? Und der rote Baron antwortet: Das sagtet Ihr - aber meine Worte waren es nicht...

Kompliment, roter Baron - ihr seit gelassen geblieben und habt gut argumentiert von Eurem ersten Wort an - denn ihr seit gewiss ein erfahrener Spielleiter, und ihr wisst was ihr tut. Eure Runde wird es Euch sichr danken und unvergessliche Abenteuer erleben - während andere hier die Macht des Spielleiers mit dem Sichtschirm einzureißen trachten, um - was zu gewinnen? Entspannung? *bösegrins*

Der Rote Baron hat gesagt…

@ Tigger:
Nochmal meinen Beitrag lesen.
Dann denken.
Dann schweigen.
Warum wirst du nach dem Denken wissen.

Notabene: Nur auf Dinge beziehen, die das Gegenüber auch gesagt hat, sonst macht man sich schnell zum Dummkopf. Und im Netz wissen das dann alle.