Montag, 15. Februar 2010

Kämpfen bis zum Tod?

Zyklisch taucht in Deutschlands Rollenspielforen die Frage nach Moralregeln auf - respektive: "Machen Regeln Sinn, die ansagen, wann ein Monster oder ein Charakter einen Kampf verlässt, oder sich ergibt?"
Ich bin ja hier der Ansicht, dass die Leute sich nur mehr mit Rollenspielgeschichte befassen müssten, um eine einfache Antwort zu erhalten, denn spätestens mit Einführung der roten D&D-Box Ende 1983 gibt es selbst in Deutschland solche Regeln, die einfach und absolut praktikabel sind.

... und was noch viel besser ist: Man kann sie locker auf jedes System anwenden - so lange es mit Trefferpunkten operiert, ansonsten muss man die Bedingungen minimal umschreiben.

Hier ist die Regel in voller Länge:

Jedes Monster hat einen Wert zwischen 2 und 12 zugewiesen und in bestimmten Situationen im Kampf würfelt es mit 2W6 - wenn es seinen Wert übertrifft, ergibt es sich oder versucht zu entkommen.

Diese Situationen sind für Einzelgegner:
  • bei der ersten Verwundung
  • wenn er auf 1/4 der ursprünglichen Trefferpunkte reduziert ist
... für Gruppen:
  • wenn es auf einer der Seiten Tote gegeben hat
  • wenn die Hälfte der Monster kampfunfähig ist

Natürlich steht es jetzt jedem Spielleiter frei, diese Kriterien nach seinem Geschmack zu ändern, strenger zu machen, oder aufzulockern

GANZ WICHTIG:
Charaktere haben keinen Moralwert - in die Entscheidungsgewalt des Spielers wie lange und wie verzweifelt sein Charakter kämpft, sollte man niemals nicht eingreifen!


Kommentare:

Der Rote Baron hat gesagt…

Ich bin ein großer Freund solcher Regeln, denn so kann man als Spieler den "Schockeffekt" von Tod oder Verletzung auch bei größeren Gegnergruppen ausnutzen ohne auf das Wohlwollen des SL angewiesen zus ein ("Wir töten schnell zwei, drei der Orks, dann wird der Rest schon fliehen!". Als SL hat man die Möglichkeit Charaktere durch die Kampfmoral der Gegner zu beeindrucken ("WAS! Die kämpfen immer noch!!!").
Eins habe ich jedoch nie verstanden: Wieso sollten Monster einen Moralwurf machen, wenn sie EINEN CHarakter ummöllern? "Oh mein Gott! Gurkhagg hat den Elfen getötet! - Sach mal: Bist du bescheuert? RÜCKZUG!"
Oder wie soll man das verstehen?

Moritz hat gesagt…

Um ehrlich zu sein: Diese Bedingung habe ich in meinen Runden auch unter den Tisch fallen lassen.

Die Grundidee, die dahinter steckt, ist folgende: "Beide Gruppen wissen nun, dass es um Leben und Tod geht." --> letzte Chance, den Schwanz einzuziehen.


Lab Lord hat die Regel ja nochmal vereinfacht und es gibt nur noch zwei Bedingungen:
- ein Mitglied der Gruppe verstirbt
- die Hälfte der Gruppe ist kampfunfähig

r0tzl0effel hat gesagt…

Jetzt kann man sich noch überlegen, ob 2W12 wegen der Verteilung so glücklich sind oder ob man nicht eine gleiche Verteilung nimmt, bspw. einen W20. Aber im Zweifelsfall ist das eine Frage des Geschmacks.

Eine andere Frage, die mich ab und an beschäftigt ist: Was, wenn die Charaktere bemerken, dass sie keine Aussicht auf Erfolg haben? Was wenn sie sich ergeben? Werden sie dann erschlagen oder lässt ein Gegner Gnade walten?

Kämpfe machen auf mich oft den Eindruck, es gebe, einmal begonnen, keinen Ausweg mehr. Ich frage mich, ob das nur mir so geht bzw. ob man (Monster-) Reaktionen auf Kapitulation auch auswürfelt? Manche Tiere sind es zufrieden, wenn sie einen Feind verjagt haben etc.

Moritz hat gesagt…

Genialer Einwand! Um ganz ehrlich zu sein habe ich das bisher immer entschieden, wie ich es für angemessen hielt.

Um es ganz "neutral" zu halten, müsste man auch dafür eine Tabelle entwerfen (eventuell mit Modifikatoren) - ich mache mich gleich mal dran.